Barbara Filser

Forschungsgastprofessur für Medienkunst 2016/17

Wilde Archive. Kunst und ihre papiernen Spuren

Dokumente der Arbeit von Künstlerinnen und Künstlern, aber zunehmend auch von Ausstellungsmacherinnen und Ausstellungsmachern sind wichtige Quellen für die kunstgeschichtliche Forschung. Solche Hinterlassenschaften künstlerischer und kuratorischer Tätigkeit, die in Archive oder Sondersammlungen Eingang gefunden haben, sind Gegenstand des Symposiums, das anlässlich der Eröffnung des VALIE EXPORT Centers Linz stattfindet. Die Bezeichnung solcher Archive als „wild“ spielt auf das „wilde Denken“ an, das der französische Anthropologe Claude Lévi-Strauss dem technisch-wissenschaftlichen Denken als anderen Modus gegenübergestellt und unter anderem anhand der künstlerischen Praxis erläutert hat. Im Zusammenhang mit dem Archiv markiert das „Wilde“ den Unterschied zu behördlichen Repositorien, der sich in der Art und Beschaffenheit des aufgehobenen Materials niederschlägt ebenso wie in der oft eigenwilligen Art und Weise seiner Ordnung. Nicht umsonst benennt Lévi-Strauss die Bricolage als kulturelle Strategie, in der das wilde Denken seinen Ausdruck findet.

Die Referenz auf Lévi-Strauss soll aber vor allem signalisieren, dass sich in den Strukturen solcher Archive die kreativen Prozesse künstlerischer und kuratorischer Praxis reflektieren und vielleicht sogar fortsetzen. Die Fragen, die sich daran anknüpfen, sind, wie dieses „Wilde“ in der Arbeit mit solchen Archiven – in deren Erschließung, Erforschung und Präsentation – sichtbar gemacht werden kann und ob beziehungsweise wie es bezähmt oder bewahrt werden sollte.

Referent_innen aus Kunst- und Medienwissenschaft, Ausstellungs-, Sammlungs- und Archivwesen diskutieren anhand von Fallbeispielen, die den Vorlass von VALIE EXPORT einschließen, inwiefern sich in Material und Struktur solcher Archive die kreativen Prozesse künstlerischer und kuratorischer Arbeit spiegeln oder sogar fortsetzen und wie sich diese in der Erschließung, Erforschung und in Ausstellungen sichtbar machen lassen.

Konzeption/Organisation/Moderation: Barbara Filser, Kunstuniversität Linz

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Biografie

Barbara Filser ist Kunsthistorikerin und Medientheoretikerin. Sie arbeitete als kuratorische Assistentin am ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe und der Edith-Russ-Site für Medienkunst Oldenburg, lehrte an verschiedenen Universitäten in Deutschland, u.a. an der Bauhaus-Universität Weimar, der Hochschule für Gestaltung und Kunst Karlsruhe und der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, sowie als Gastprofessorin für Kunsttheorie und Kunstgeschichte an der Universität für Kunst und Design Linz, Österreich. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Dokumentar- und Essayfilm, Videokunst sowie Geschichte und Theorie der Fotografie. Zu ihren Publikationen gehören ein Buch über Chris Markers Verwendung von Bildern in seinen Filmen, sowie Arbeiten über das französische Avantgarde-Kino der 1920er Jahre, das elektronische Bild, wie es in den frühen 1970er Jahren als TV-Experiment konzipiert wurde, und ein Film des deutschen Malers Sigmar Polke.

Katalogbeitrag

Körper/Bilder VALIE EXPORTs Film SYNTAGMA und das "geteilte Selbst"

Barbara Filser
in: Magdalena Nieslony / Samantha Schramm (Hg.): Mediale Subjektivitäten: Fotografie, Film und Videokunst (Augenblick. Konstanzer Hefte für Medienwissenschaft, Bd. 1-2, 2019), Marburg 2019, S. 73-89. 

 

Vortrag

The Body and the Filmic Image – the Body of the Filmic Image

03.11.2016, 09:30 Uhr
Barbara Filser
Das Reale der Realität Internationale Konferenz zu Philosophie und Film am ZKM in Karlsruhe

The relationship of photographic and cinematographic images to reality has primarily been conceived of as representation or even registration, especially in the context of non-fiction filmmaking. What could be referred to as the reality of the image itself, however, has so farreceived much less attention. Focussing on the body, which he regards as central to cinema, theethnographic filmmaker David MacDougall considers thelatter as part of the corporeality of the filmic image (»The Corporeal Image«, 2006). Posited as a »disturbance«, an »obduracy«, a kind of residual »being« that resists absorption into meaning, this corporeality encompasses the body on the screen, the body of the spectator as it is viscerally and somatically affected, the body of the filmmaker especially in its relation to the body on the screen, and the body of the film itself. Describing the film as body implies some kind of agency on the part of the filmic image which for images in general has also been suggested by writers on visual culture and »Bildwissenschaft«.

The paper is going to explore this notion of the body of the film by elaborating on MacDougall and other authors’ writings to then examine the different aspects of the corporeality of the filmic image and their interplay by looking at examples from artists’ film and video focussing on the artist’s own body, such as Vito Acconci’s »Conversions« (1971) or Valie Export’s »Remote ... Remote ...« (1973).