Mechtild Widrich
Arbeitsstipendium für Künstler*innen, künstlerisch Forschende und Kurator*innen am VALIE EXPORT Center Linz 2025

 

Mechtild Widrich ist Professorin und Leiterin der Abteilung für Kunstgeschichte, Theorie und Kritik an der School of the Art Institute of Chicago. Sie forscht und schreibt über Kunst im öffentlichen Raum, performative und partizipative Praktiken und Theorien des öffentlichen Raums. Ihr aktuelles Buch Monumental Cares (Manchester University Press 2023) war Finalist für das beste Buch der Gegenwartskunst (ASAP Award) und denkt Denkmaldebatten, Ortsspezifik und künstlerischen Aktivismus neu. Sie hat sich eingehend mit VALIE EXPORT beschäftigt, u.a. in Can Photographs Make it So? Several Outbreaks of EXPORT's Genital Panic. Sie hat an der Universität Wien und dem Massachusetts Institute of Technology (PhD 2009) studiert und hatte Gastprofessuren an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und der University of Chicago inne.

Commemorative Prostheses: Memory, Mediation, and Material Culture

Dieses Projekt greift VALIE EXPORTs nicht realisierten Holocaust Denkmalentwurf Passage des Erinnerns, der beim Wettbewerb für den Wiener Judenplatz eingereicht wurde, den schließlich Rachel Whiteread gewann, wieder auf. EXPORTs Konzept sah eine performative, verkörperte Passage durch die Erinnerung vor: ein Tunnel mit einer Wand aus dunklem Stein und einer zweiten aus transparentem Glas, durch die die Besucher*innen für Außenstehende sichtbar wurden und damit Gedenken im öffentlichen Raum inszenierten. Eine Klanglandschaft zur jüdischen Geschichte sollte die Reise der einzelnen Besucher*innen begleiten. Über dem Standort einer zerstörten mittelalterlichen Synagoge gelegen, betont EXPORTs Entwurf die historische Geographie und die mehrschichtige Vermittlung, einschließlich der sichtbaren Ausgrabungen unter einem Glasboden und fließendem Wasser, die symbolisch und visuell eine Distanz zur Vergangenheit herstellen.

Dieser performative Einsatz von Medien und Verkörperung lädt zum Vergleich mit EXPORTs zeitgleicher Schrift Der virtuelle Körper: Vom Prothesenkörper zum postbiologischen Körper (1993), einer Meditation über technologisch erweiterte Körper und cyberfeministische Überlegungen, ein. Durch die Gegenüberstellung dieser beiden Werke untersucht das Projekt, wie sich EXPORTs Auseinandersetzung mit Erinnerung, körperlicher Präsenz und medialer Transparenz in die kulturellen Bedingungen des „memory boom“ der 1990er Jahre – einer Phase der intensiven Reflexion von Geschichte und ihrer Repräsentation – einordnen lassen. EXPORTs Arbeit jener Zeit bietet eine einzigartige Perspektive darauf, wie sich vermittelte und körperliche Formen des Gedenkens zu einem Zeitpunkt überschnitten, als beide radikal neu definiert wurden.

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