Lilo Nein

Versuch über die Versöhnung mit dem Schaum 

In ihrem installativen Beitrag zur Konferenz übersetzt Lilo Nein, die im „Versuch über die Schwierigkeit nein zu sagen“ angesprochene Notwendigkeit äußerlich zu protestieren und dabei gleichzeitig innerlich versöhnt zu bleiben in eine Reihe künstlerischer Kommentare. Anleihen an Comics nehmende Zeichnungen, Schriftbilder und fragmenthafte Bildgeschichten treten mit den zentralen Begriffen wie Gnade, Mut, Identität, Verkörperung und den biblischen und mythischen Figuren aus Klaus Heinrichs Essay in Dialog, und thematisieren Herausforderungen, Möglich- und Unmöglichkeiten, die sich in diesem Spannungsfeld bis heute ergeben. Ein gezeichnetes Mädchen verkörpert die Künstlerin selbst, welches mit dem ebenfalls als Strichmännchen auftretenden Philosophen spricht. Der Bund mit Gott wird als „Ja zum Leben“ interpretiert. Ein Protest in diesem Sinne wird von jenem „Nein“ verkörpert, welches ein „Ja“ in seinem Kern hat. Hinter den Zeichnungen schimmern die Umrisse einer feministisch, post-humanistischen Trinität, die man vielleicht in einer nicht-repräsentierenden, sich konkret verortenden Sprache/Medialität, einer performativ-materiellen Identität mit den uns umgebenden Dingen und dem verkörperten Gefühl als Sitz des (Höheren) Selbst suchen könnte.

 

künstlerische Publikationen und Bücher:

Synne Genzmer, Lilo Nein (Hg.), Wie sich die Bilder anfühlen. Nicht-repräsentationale Fotografie. Lilo Nein, in deutscher Sprache, Salzburg: Fotohof. (in Vorbereitung, erscheint voraussichtlich Ende 2021).

Lilo Nein, Writing Performance. On Relations between Texts and Performances, in englischer Sprache, Wien: Galerie Michaela Stock, 2017.

Wenn Analysen Gedichte wären ... Arbeiten zwischen Text und Performance. Lilo Nein, deutsch/englisch, Wien: Schlebrügge.Editor, 2013.

Lilo Nein (Hg.), DIE ANWESENDE AUTORIN. Wer spricht in der Performance?, deutsch/englisch, Berlin: Revolver Publishing, 2011.

Lilo Nein (Hg.), SELBST ÜBERSETZEN! Ein Performance Lesebuch zum Aufführen, deutsch/englisch, Wien: Eigenverlag, 2009.

 

Biographie

Lilo Nein ist Sprach-, Performance- und Konzeptkünstlerin und Senior Scientist am VALIE EXPORT Center Linz_ Forschungszentrum für Medien- und Performancekunst in Linz. Studium der Bildenden Kunst an der Akademie der bildenden Künste Wien, mit Abstechern in die Studien Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität Wien sowie an die Hochschule für bildende Künste und den Master-Studiengang Performance Studies in Hamburg. 2017 absolvierte sie ihr Doktorat im PhDArts Programm an der Leiden University.

Sie erhielt unter anderem das Startstipendium für bildende Kunst (BKA) 2010, Staatsstipendium für bildende Kunst (BKA) 2013 und den Performance Preis H13 des Kunstraum Niederösterreich 2012.

Ihre Arbeiten wurden im Austria Cultural Forum New York, Museum of Modern Art Salzburg, Salzburger Kunstverein, Künstlerhaus Wien, Vienna Art Week, MA*GA Art Museum Gallarte Italy, MASS MoCA Massachusetts Museum of Contemporary Art, Index - The Swedish Contemporary Art Foundation, Intersect Project Space der RMIT University Melbourne, MUSA Museo de Arte Contemporaneo de Castilla y León gezeigt.