Dzekashu MacViban
Arbeitsstipendium für Künstler*innen, künstlerisch Forschende und Kurator*innen am VALIE EXPORT Center Linz 2025

 

Dzekashu MacViban ist Autor, Kurator, Herausgeber und Redakteur. Seine Forschung und kuratorische Praxis nehmen indigene Epistemologien, sprachlichen Ungehorsam und afrodiasporische Diskurse als Ausgangspunkt, um die Beziehung zwischen Identitätspolitiken, Räumlichkeit und deren Überschneidung mit individuellen und kollektiven Geschichten sowie historischer Auslöschung zu untersuchen. Er ist der Gründer der Organisation Bakwa, die afrikanische Kreative durch Multimedia-Publikationen, Audio- und Übersetzungsprojekte über Bakwa Books und Bakwa Magazine empowert. Er erhielt unter anderem ein Stipendium der Akademie Schloss Solitude und ein Stipendium von Moving Africa.

Sein aktuelles Projekt mit dem Titel Archives of Disappearance: On Reclaiming Silenced Histories untersucht wie pluri-disziplinäre Künstler*innen in Kamerun und Österreich Video, Found Footage, Installationen und Performance einsetzen, um sich mit der Auslöschung von Geschichte und der Unsichtbarkeit von marginalisierten Gemeinschaften auseinanderzusetzen. Das Projekt erforscht, welche Arten von Archiven Künstler*innen angesichts historischer Auslöschung aufbauen. Anschließend widmet es sich weiteren komplexen Fragen: Wie interveniert Medienkunst, speziell durch Video und Installation, in vorherrschende Geschichtsdarstellungen? Wie setzen sich Künstler*innen aus Kamerun und Österreich mit verschiedenen Formen des Schweigens – politischem, gesellschaftlichem oder psychologischem – auseinander und wie manifestieren sich dieses Arten des Schweigens über kreative Strategien? Was können wir daraus lernen, wenn wir einen Dialog zwischen diesen zwei Kontexten herstellen, insbesondere zu einem Zeitpunkt, an dem Geschichtsrevisionismus und kulturelle Polarisierung zunehmen?

Das Projekt bezieht sich auf Theoretiker*innen wie Ariella Azoulay, deren Konzept der „potential history“ von Archiven Wege öffnet für die Vorstellung alternativer historischer Praktiken, die in Verweigerung, Reparatur und Spekulation wurzeln. Ähnlich prägt Saidiya Hartmans Methode der „critical fabulation“ die Art und Weise, wie dieses Projekt Medienkunst nicht einfach als Dokumentation, sondern als generative Fiktion im Dienste der Wahrheit liest. So privilegiert der theoretische Rahmen das Archiv nicht als statischen Aufbewahrungsort, sondern als ein Feld der Auseinandersetzung – als Ort der Abwesenheit, des Affekts und der radikalen Rekonstitution. 

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