Diana-Cristina Bulzan

PhD Kandidatin Junior Fellowship

Sensible Worlds. Experience and Labour in the Age of Cinema 

Diese Dissertation unterbreitet die Begriffe Erfahrung und Arbeit, um sich mit den Veränderungen zu befassen, die die Erfindung des Kinos im Verhältnis zwischen Subjekt und Welt verursacht hat. Der Terminus “Wahrnehmbare Welten” verweist auf die Dimension der Letztgenannten und bezeichnet eine Möglichkeit, die Beziehung zwischen Kino und Subjekt hinsichtlich der körperlichen Wahrnehmungsmöglichkeiten zu behandeln, insbesondere mit Verweis auf die phänomenologische Arbeit von Merleau-Ponty. Die Forschungsarbeit verfolgt zwei Ansätze. Ersterer ist eine Analyse des Mediums Kino, welche diese Veränderungen auf Walter Benjamins Unterscheidung zwischen „Erfahrung“ und „Erlebnis“ zurückführt. Für Benjamin bezeichnet „Erlebnis“ jene Art von Erfahrung, die dem modernen Subjekt zugänglich ist. Sie besteht darin, Schocks ausgesetzt zu sein, die durch Diskontinuität gekennzeichnet sind, was sich im Gebrauch der Montage durch das Kino ausdrückt. In zweierlei Hinsicht ist die Arbeitsteilung mit der Erfahrung verbunden. Erstens durch eine Analogie zwischen der Organisation von Arbeit mit dem Gebrauch der Montage im Kino, eine Analogie, die schon in Walter Benjamins Werk enthalten ist. Zweitens durch die Erforschung der Rolle, welche die Verbreitung von Bildern bei der Einführung der Arbeitsteilung auf sozialer und kultureller Ebene spielte. Arbeitsteilung wird daher sowohl als das Nachvollziehen von Sichtlinien wie auch als das Feststellen von Erfahrungsräumen begriffen.

Der zweite Forschungsansatz konzentriert sich auf die künstlerische Praxis von VALIE EXPORT, und zwar auf ihren Gebrauch von Fragmentierung und Widersprüchen bei der Dekonstruktion von Repräsentationen des weiblichen Subjekts. Ihr reflexiver Ansatz hinsichtlich der Sprache verschiedener Medien zielt ab auf eine anagrammatische Neuanordnung der strukturellen Faktoren der Repräsentation, welche zugleich die Kodifizierungen der gesellschaftlichen Realität offenlegt, ebenso jedoch über diese hinaus weist, hin auf die Möglichkeit, neue Bedeutungen zu erschaffen. Jenen Faktoren, die Erfahrungsmodi mit Organisationsmodi der Arbeit verbinden, gilt daher nähere Aufmerksamkeit, indem untersucht wird, wie sie in verschiedene Repräsentationen der Realität integriert sind. Genauer gesagt möchte ich die beiden Ansätze folgendermaßen verbinden: zunächst indem ich ihren Gebrauch der Fragmentierung mit der Beschreibung des „Erlebnis” als jener Form von Erlebnis, die dem modernen Subjekt zugänglich ist, in Beziehung setze. Zweitens wird die Festlegung des „Erlebnis” in Benjamins Texten von einer neuen Lesart von Geschichte und Gedächtnis begleitet; beides steht in Bezug zum subversiven Potential des Kinos. Indem ich VALIE EXPORT in Dialog mit Benjamin treten lasse, möchte ich dieses subversive Potential neu lesen. Die Faktoren, die das „Erlebnis” konstituieren, werden von EXPORT als Hauptfaktoren der Aneignung, des Spiels und der Überdeterminierung der Bilder gebraucht. Die Frage, die der Dissertation zu Grunde liegt und sie anleitet – jene nach dem Potential zur Subversion seitens des Mediums Kino – wird daher die Verbindung zwischen strukturlinguistischen Elementen und künstlerischer Praxis in EXPORTs Arbeit ansprechen, trotzdem jedoch in Zusammenhang stehen mit der Feststellung der Erfahrung in der Moderne und dem technologisch bewirkten Vermitteln zwischen Subjekt und Realität.

 

Biografie

Diana-Cristina Bulzan arbeitet derzeit an ihrer Doktorarbeit über das Verhältnis von Kino, Erfahrung und der Möglichkeit der Subversion durch das Medium Film. Zuvor hat sie an der Universität Babes-Bolyai in Cluj-Napoca, Rumänien, einen Master in Philosophie mit einer Arbeit über Gilles Deleuzes Begriff des Kinos erworben. Ihre Forschungsgebiete reichen von der Phänomenologie der Wahrnehmung, der politischen Einschreibung des Körpers und feministischen künstlerischen Praktiken bis hin zum Experimentalfilm.