Claudia Larcher
Arbeitsstipendium für Künstler*innen und künstlerisch Forschende am VALIE EXPORT Center Linz
2023/2024

 

Claudia Larcher beschäftigt sich mit Film, ortsspezifischer Videoanimation, Collage, Fotografie und Installation. Ihr Werk steht, unabhängig vom Medium, für die Auseinandersetzung mit Architektur und mit den Spuren von Geschichte und Erinnerung. Seit einiger Zeit integriert die Künstlerin auf kritische Weise Künstliche Intelligenzen, die sie als experimentelles Werkzeug für ihre Kunst nutzt. 
Larcher studierte medienübergreifende Kunst an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Ihre Arbeiten präsentierte sie in zahlreichen Ausstellungen in Österreich und im Ausland. Larcher erhielt renommierte Preise und ist in internationalen öffentlichen Sammlungen vertreten.

Ein Schwerpunkt dieses Projekts mit dem Titel AI and the Art of Historical Reinterpretation ist die Beseitigung von geschlechtsspezifischen Verzerrungen in historischen Datensätzen, die von künstlicher Intelligenz verwendet werden. Da KI-Modelle in hohem Maße auf historischen Daten basieren, untersucht das Projekt die Auswirkungen des Einsatzes von KI zur Vorhersage zukünftiger gesellschaftlicher Veränderungen, wirft ethische Fragen auf und untersucht, wie KI Datenarchive ergänzen, umschreiben und neu interpretieren kann. Es wird vorgeschlagen, historische Lücken mit KI-generierten „historischen Bildern“ zu füllen.

KI-Technologien, insbesondere Bilderzeugungsmodelle, können Geschichte neu schreiben und unser Verständnis der Vergangenheit verbessern, während sie gleichzeitig mögliche Lücken füllen. Diese absichtliche Verzerrung großer Datensätze kann zukünftige KI-Entscheidungen beeinflussen. Das Projekt kritisiert Verzerrungen in der Geschichtsschreibung, die durch politische Interessen, persönliche Vorlieben, einseitige Erzählungen und den Ausschluss von Personen und Ereignissen verursacht werden. FLINTA*-Personen wurden in der Vergangenheit von offiziellen Aufzeichnungen ausgeschlossen und ihre Beiträge wurden oft übersehen.

Das Projekt schafft ein ständig wachsendes fiktionales Bildarchiv der Geschichte, das die Vergangenheit im Sinne von Inklusion und Vielfalt neu interpretiert. Diese Sammlung, die mit Hilfe von Daten analysiert werden kann, wird über digitale Plattformen verbreitet, um zukünftige KI-Modelle aktiv oder passiv zu informieren und zu trainieren.

* FLINTA steht für „Frauen, Lesben, Intergeschlechtliche, nichtbinäre, trans und agender Personen“

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